Psychologisches Zentrum

Teilleistungstraining

1. Einführung - Konzentration & Teilleistungstraining

Fällt es Ihrem Kind schwer, bei einer Sache zu bleiben? Zeigt es trotz Fleiß Lücken beim Lesen, Schreiben oder Rechnen? Oft stecken dahinter keine mangelnde Motivation, sondern punktuelle Reifungs- oder Entwicklungsunterschiede in den sogenannten Teilleistungen.

Lern- und Leistungsschwierigkeiten sind selten auf mangelndes Talent zurückzuführen. Oft liegen die Ursachen in ungleich entwickelten Teilleistungen - jenen neuronalen Basisfunktionen, die Informationen verarbeiten, filtern und speichern.

Teilleistungen sind die "Bausteine" unseres Denkens. Sie bilden das Fundament, auf dem komplexere Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen basieren. Wenn einzelne Bereiche der Informationsverarbeitung (z. B. die visuelle oder auditive Wahrnehmung) unregelmäßig entwickelt sind, kann dies zu Lernblockaden führen.

Denn der Schulerfolg basiert auf weit mehr als Intelligenz. Wenn Kinder trotz guter Begabung Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen zeigen, liegen oft Defizite in den Teilleistungen vor. Teilleistungsschwächen zeigen sich oft nicht durch mangelnde Intelligenz, sondern durch eine auffällige „Anstrengungs-Ergebnis-Diskrepanz“. Nach aktuellen klinischen Leitlinien zeichnen sich umschriebene Entwicklungsstörungen dadurch aus, dass eine signifikante Diskrepanz zwischen der allgemeinen Intelligenz und den spezifischen Schulleistungen besteht.

Da jedes Kind eine individuelle Lernbiografie und genetische Anlage mitbringt, mache ich vor Beginn der Zusammenarbeit stets eine fundierte, umfangreiche Leistungsdiagnostik und Persönlichkeitsdiagnostik. Auf Basis dieser Ergebnisse baut das maßgeschneiderte Training auf, das die Stärken des Kindes nutzt, um Schwächen auszugleichen bzw. um einen adäquaten Umgang damit zu finden. Der Austausch und die Arbeit mit den Eltern als Entwicklungsbegleiter ihrer Kinder ist stets wichtig, da auch der Umgang mit Schwächen, die Förderung zu Hause und der Austausch mit der Schule ein wichtiger Baustein ist.

Das Training findet, wie auch die Behandlungen anderer Problematiken, in einer wertschätzenden Atmosphäre statt, in der Spaß am Lernen und spielerische Elemente im Vordergrund stehen.

2. Checkliste für Eltern: Woran erkenne ich Teilleistungsschwächen?

Folgende Checkliste orientiert sich an klinischen Beobachtungskriterien und hilft Ihnen dabei, erste Anzeichen für Teilleistungsschwächen im Alltag und bei den Hausaufgaben zu identifizieren.

Bereich: Wahrnehmung & Serialität (Input)

Bereich: Aufmerksamkeit & Selbstregulation (Steuerung)

Bereich: Raumorientierung & Gedächtnis (Verarbeitung)

Bereich: Körper & Emotion (Begleitsymptome)

3. Nähere Beschreibung einiger Teilleistungen

Wahrnehmung & Informationsverarbeitung
Diese Bereiche bilden die „Eingangskanäle“ des Gehirns. Sind sie beeinträchtigt, kommen Informationen fehlerhaft oder lückenhaft an.

Speicher- & Analysefähigkeiten
Um Wissen dauerhaft abrufbar zu machen, müssen Informationen strukturiert verarbeitet werden.

Aufmerksamkeit, Fokus & Selbstregulation
Diese exekutiven Funktionen wirken wie ein „Dirigent“ im Gehirn und steuern den Lernprozess.

Spezifische Lernschwierigkeiten
Wenn die oben genannten Basisfunktionen Defizite aufweisen, manifestiert sich dies häufig in klinisch relevanten Entwicklungsstörungen nach ICD-10/11:

4. Die Ziele des Trainings

Ein planvolles Vorgehen lässt sich lernen. In unseren Einheiten vermitteln wir Strategien, um die Aufmerksamkeit bewusst zu steuern und impulsive Fehler zu reduzieren. Ziel ist ein reflexiver Arbeitsstil, der dem Kind hilft, Aufgaben besonnen und strukturiert anzugehen.

Vom Impuls zur Struktur
Ein planvolles Vorgehen ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine exekutive Funktion des Gehirns, die wie ein Muskel trainiert werden kann. Ich versuche spezifische Strategien zu vermitteln, um die Aufmerksamkeit aktiv zu steuern, Reize effizienter zu filtern und die Fehlerquote durch Selbstregulation nachhaltig zu senken.

Das übergeordnete Ziel ist, neben der Förderung der oben beschrieben Teilleistungsgebiete, der Aufbau eines reflexiven Arbeitsstils, der es dem Kind ermöglicht, Aufgaben besonnen, strukturiert und angstfrei zu bewältigen.

1. Etablierung eines reflexiven Arbeitsstils
Viele Kinder mit Teilleistungsschwächen neigen zum „Drauflosstürzen“ (impulsiver Arbeitsstil). Wir ersetzen dieses Muster durch systematische Handlungsabfolgen:

2. Aktive Selbstregulation & Fehlerkontrolle
Ein wesentlicher Fokus liegt darauf, das Kind vom passiven Empfänger zum aktiven Manager seines Lernprozesses zu machen:

3. Stärkung des Selbstbewusstseins & der Selbstwirksamkeit
Langjährige Lernschwierigkeiten führen oft zu einer „erlernten Hilflosigkeit“.